Page 18 - Leseprobe Buch Bevaterung
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18  Einleitung



                  Die meisten Männer nehmen diese Rolle einfach so hin und
               übergeben der Mutter die Kinder ganz selbstverständlich schon
               bei kleinen Problemen. Sie selbst sehen sich als inkompetent an
               und nur für unverbindliche Beschäftigungen mit den Kindern in
               der Lage. Jede Entscheidung in Bezug auf die Kinder wird an die
               Partnerin delegiert. Sie präsentieren sich den Kindern von Anfang
               an als unfähige, verunsicherte und devote Väter. Meist haben sie
               ihren eigenen Vater im Kontakt mit ihrer Mutter genauso erlebt
               und nie eine wirklich männliche Erziehung genossen. Sie sind oft
               ahnungslos, was männliche Erziehung überhaupt ist, und können
               ihre eigene Vaterrolle weder definieren noch ausfüllen. So lernen
               die Kinder von Geburt an tagtäglich von den Eltern für ihre spätere
               Partnerschaft, wie die Rollen verteilt sind und wer das Zepter in
               der Ehe in der Hand hält.

               Die Folgen fehlender männlicher Erziehung

               Kinder haben nicht ohne Grund Mutter und Vater. Und beide sind
               für Jungen wie für Mädchen seit Menschengedenken gleich wichtig
               für das Wohlbefinden und eine gesunde Entwicklung der Persön-
               lichkeit  und  Beziehungsfähigkeit.  Lediglich  einige  ideologisch
               fixierte  Gender-Mainstream-Vertreterinnen  versuchen,  diese  alte
               Wahrheit neuerdings infrage zu stellen. Vor allem Frauen wird ein-
               geredet, dass der Vater überflüssig ist und eine Mutter das Kind
               allein genauso erziehen kann wie beide Eltern zusammen. Wir erle-
               ben derzeit, wie Väter diskriminiert und entwertet werden. Für das
               derzeitige  Männerbild  aber,  das  scheinbar  auch  politisch  unter-
               stützt wird, fehlt jede erzieherische oder psychologische Grundla-
               ge. Wer wie ich mit vielen tausend Männern in Coaching und The-
               rapie gearbeitet hat, der sieht, wie die aktuelle gesellschaftliche
               Realität ist: Immer mehr Männer haben Probleme mit ihrer Männ-
               lichkeit. Sie tun sich schwer, Entscheidungen zu treffen, Verantwor-
               tung und Führung zu übernehmen, sind wankelmütig und zweifeln
               an  sich,  befinden  sich  in  einer  Identitätskrise  als  Mann,  haben
               Selbstwertprobleme, sind emotional abhängig von Frauen und oft
               sogar beziehungsunfähig. Denn fast all diese Männer sind ohne
               Vater aufgewachsen oder haben keine Beziehung zu ihrem Vater
               aufbauen können. Ich habe mit Frauen therapeutisch gearbeitet
               und auch außerhalb meiner Arbeit solche erlebt, die sich für eine
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