Page 21 - Leseprobe Buch Bevaterung
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Was genau ist Bevaterung? 21
Typisch dafür ist folgende Szenerie: Das Mädchen steht auf der
einen Seite des Baches und schaut ängstlich in die Strömung. Die
Mutter: „Geh über das Brett, springen ist zu gefährlich!“ Der Vater:
Komm, spring! Trau dich, das schaffst du. Ich rette dich, wenn es
Probleme gibt.“
Die wenigsten Männer haben die Eier, sich in solch einer Situ-
ation gegen die Partnerin durchzusetzen – oft haben sie schon als
Jungen gelernt, dass die weibliche Autorität unangreifbar ist. Wer
sein Mannsein lebt und auch seinen Kindern ein maskuliner Vater
sein will, der setzt sich durch. Männer checken instinktiv die
Gefahrensituation und bringen sie mit den Fähigkeiten des Kindes
in Einklang.
Im obigen Beispiel ist das die Gefährlichkeit des Baches und,
bei größeren Gewässern, die Schwimmerfahrung der Tochter.
Dann ermutigt er sie, allein zu springen oder zu schwimmen –
jederzeit bereit, zu Hilfe zu eilen. Oder er schwimmt zunächst
einige Male mit ihr zusammen huckepack durch einen Fluss, bis
das Mädchen es sich allein traut. Das Kind wird danach stolz sein,
dass es seine Angst überwunden hat, und allen davon erzählen.
Beschützt und ermutigt durch den Vater, kann es so Mut und
Selbstvertrauen entwickeln. Entsprechendes Selbstbewusstsein,
Sportlichkeit, Erfahrung und Verantwortung wird hierfür natürlich
vom Vater vorausgesetzt. Ich habe oft erlebt, dass der Vater ängst-
licher ist als die Mutter und die Kinder sogar noch mehr bemuttert
und überbehütet als sie.
Am Strand passierte neulich Folgendes: Ich war gerade dabei,
mein Kite-Equipment anzuziehen, als ich einen etwa 6-jährigen
Jungen bemerkte, der mir neugierig zuschaute. Ich fragte ihn: „Na,
kommst du auch mit ins Meer?“ Er antwortete: „Nein, Papa sagt,
das ist zu gefährlich.“ Ich darauf: „Aber warst du mit Papa noch
nie in den Wellen da vorn?“ Der Junge: „Nein, nur mit Mama
kurz.“ Sehr traurig für den Jungen!
Für diesen Jungen ist die Bevaterung leider gescheitert. Damit
das nicht passiert, können Väter schon mit ihrem Säugling auf
dem Arm in der Brandung spielen, um ihn mit dem nassen Ele-
ment vertraut zu machen und ihm die Angst vor den Wellen zu
nehmen. Mit ungefähr sechs Monaten ist es dann so weit, ihn an
einer sicheren Stelle zum Beispiel auf dem Kiteboard sitzen zu las-
sen. Wenn er ungefähr ein Jahr alt ist, lernt er kurz unterzutau-

