Page 20 - Leseprobe Buch Bevaterung
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20 Einleitung
und Schlaf erfüllt werden. Und sie schützt das Kind möglichst
effektiv vor jeglichen Schmerzen, Krankheiten oder Verletzungen.
Jeder hat eine Vorstellung von Bemutterung, wenn er an eine stil-
lende Mutter denkt oder sich Mütter mit ihren Kindern anschaut.
Doch was ist Bevaterung? Nur ein überflüssiger Luxus? Ich
behaupte, sie ist genauso wichtig wie Bemutterung. Die väterliche,
alltägliche Präsenz prägt das Kind und gibt dem Jungen ein männ-
liches Vorbild und Orientierung in seiner geschlechtlichen Rolle.
Dem Mädchen hilft es, einen Mann zu lieben und verstehen zu ler-
nen. Außerdem stärkt es ihren männlichen Anteil, der in gewisser
Weise auch für Mädchen und Frauen wichtig ist.
Was genau aber macht ein Vater anders als die Mutter? Ein
Mann, der seine Männlichkeit lebt und seine Vaterrolle ausfüllt
und nicht einfach nur Mutter oder Frau kopiert, hat einen anderen
Umgang mit seinen Kindern. Natürlicherweise spricht er mit tie-
ferer Stimme, formuliert kürzere Sätze und verwendet dabei mehr
Imperative. Er macht klare Ansagen und Vorgaben, handelt mehr,
als er spricht, und verbalisiert auch nicht alles, was er tut. Mutter
zum Sohn: „Malte, ich glaube du solltest noch duschen, bevor wir
gehen. Heute waren wir den ganzen Tag unterwegs, und du hast
viel geschwitzt. Willst du nicht jetzt als Erstes duschen?“ Dagegen
der Vater: „Los, duschen!“ Und er schiebt ihn Richtung Bad.
Väter haben mehr körperliche Kraft und einen festeren Griff.
Entsprechend ist ein männlicher Körperkontakt definierter und
kraftvoller. Der Vater klopft seinem Jungen anerkennend auf die
Schulter oder den Rücken, boxt ihn auf die Brust oder umarmt ihn
fest. Die Mutter tut dies zärtlicher und femininer. Die Mutter
begleitet das kleine Kind vorsichtig und langsam ins Wasser, der
Vater springt mit ihm zusammen hinein. Die Mutter nimmt das
Kind aus dem Schwimmunterricht, wenn es etwas erkältet ist. Der
Vater nimmt es gerade deshalb sogar mit ins Meer zum Schwim-
men, weil das kalte Salzwasser abhärtet und alles frei macht.
Maskuline Erziehung hat klare Regeln und Werte, die vermittelt
werden. Der Vater macht klare Vorgaben und lässt das Kind die
Konsequenzen seines Handelns erleben. Er fördert bei den Kin-
dern Mut, Risikobereitschaft und Abenteuerlust – und das macht
sie selbstbewusster. Väter spielen völlig anders mit ihren Kindern
als Mütter: Sie gehen auch mal Risiken im Kleinen und manchmal
im Großen ein, die Mütter sich nicht trauen.

